Vortragsreihe „Dienstag im Tuppenhof” - Ausschnitt aus der Studenten-Kartei des Winfried Selbiger an der Max-Ludwig-Universität München
Studenten-Kartei; Max-Ludwig-Universität München

„Dienstags im Tuppenhof”

Aus Büttgen vertrieben — nach Ostafrika emigriert — ab 1954 als Tropenarzt in Oberkassel

Das Schicksal des jüdischen Arztes Winfried Selbiger (1906 — 1962)

Anderthalb Jahre, von 1932 bis 1933, praktizierte er in Büttgen auf der Gladbacher Straße, dann wurde er von Büttgener Nationalsozialisten nach Neuss ins SS-Gefängnis auf der Promenadenstraße deportiert. Nach drei Tagen wieder entlassen, wurde ihm die Rückkehr nach Büttgen verwehrt. Weil er mit sieben Jahren in St. Lambertus in Düsseldorf getauft worden war, erhielt er ein halbes Jahr später durch Vermittlung des Vatikans eine Stelle als Missionsarzt bei den Weißen Brüdern im heutigen Tansania.

Dr. Franz-Wilhelm Servaes hatte aufgrund von Zeitzeugenberichten auf diesen Arzt in seiner Schrift „Leben unter dem Hakenkreuz in Schule und Gemeinde 1933 bis 1945“ aufmerksam gemacht. Der Referent Reinhold Mohr hat anhand von Gestapo-Akten sowie weiteren Quellen (Wiedergutmachungs- und Rückerstattungsakten nach 1945) im Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland sowie im Stadtarchiv Düsseldorf seine Schul- und Studienzeit in Düsseldorf, München und Berlin, die Zeit seiner Emigration nach Afrika und seiner Rückkehr nach Deutschland (1954 bis 1962) untersucht und stellt in seinem Vortrag auch die Bemühungen des Apothekersohnes aus Düsseldorf heraus, in Oberkassel wieder beruflich Fuß zu fassen und für sein bitteres Schicksal von bundesdeutschen Behörden angemessen entschädigt zu werden.

Vortrag von Reinhold Mohr

Eintritt: 5,00 €

Das Haus der Familie Sieburg, 1962

Das Haus der Familie Sieburg, 1962

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